Der Gotha Zettelkasten – Wir vergeben Accounts

In den letzten Wochen gaben wir am Forschungszentrum Gotha mehrere – einander überlappende – Datensätze ins FactGrid ein. Unser Ziel ist es, die Grundlage für einen kollektiven großen Zettelkasten zu schaffen. Sein Gegenstand: das historische Gotha.

Gotha 1850, nach Abtragung der Stadtmauern

Der Gotha Zettelkasten soll

  • Informationen zu allen möglichen Objekten der Stadt erfassen: zu Häusern, Denkmälern, ja noch zu Bäumen
  • Informationen zu allen uns bekannt werdenden Personen bieten – ob berühmte Bürger oder Kinder, die noch kurz nach der Geburt unter der hohen Kindersterblichkeit der Frühen Neuzeit starben
  • Informationen zu Archivalien mit Datenbankobjekten verknüpfen – ob öffentlich verfügbaren Dokumenten oder privaten, die bei uns in Reproduktionen zugänglich gemacht werden können
  • Informationen zu Ereignissen anbieten, die hier als eigene Gegenstände des Interesses mit Wissen über die Orte, die beteiligten Personen und die vorliegenden Dokumente verknüpft werden

Was bieten wir im Moment?

Vieles ist im Moment noch gewöhnungsbedürftig: Die Datenbank kennt alle Adressen Gothas vor 1859. Viele von ihnen tauchen jetzt in der Suche auf der aktuellen Landkarte auf (wir wollen im Verlauf historische Landkarten verfügbar machen, auf denen man recherchieren kann). Mit dem folgenden Link kann man sich die gegenwärtig georeferenzierten Adressen auf der Landkarte anzeigen lassen:

 
…ist der Stadtplan auch noch unvollständig, weil die heutige Karte schlecht mit den alten Adressen zusammengeht, so bekommt man mit der tabellarischen Suche die gesamte Liste der Adressen vor 1859. Zu Beginn steht jeweils das Link in den Datensatz, unter dem man die früheren Namen der Adresse findet:

Für das Jahr 1848 können wir zudem alle männlichen, damals als Wahlmänner ausgeschriebenen, Erwachsenen nennen und den Häusern zuordnen. Wir wissen damit grob, welche Familien in welchen Häusern beieinander wohnten, wir kennen zudem die Berufe der Hausväter. Leider kennen wir damit noch lange nicht die Familien selbst: die Frauen und Kinder, die Eltern und Großeltern und mit diesen die Verwandtschaftsbeziehungen in der Stadt.

Hier vier Blicke in einzelne Häuser:

Dürftig ist zur Zeit unser Dokumentenvorrat – das Illuminatenprojekt (dessen Bestände in derselben Datenbank liegen) führt in die 1780er Jahre und berührt Gothas Stadtgeschichte und Bevölkerung nur hier und da.

Was wollen wir möglich machen?

Das FactGrid ist eine Wikibase-Datenbank. In gewisser Hinsicht kann sie alles, was Wikipedia kann: Man kann mit ihr beliebige Informationen auf Seiten zusammenstellen und die Informationen verlinken. Anders als in Wikipedia werden hier jedoch keine Artikel geschrieben, sondern Aussagen gesammelt: Wer war der Vater, wer die Mutter, wer die Ehefrau, wer die Kinder. Wann, wo geboren? Wann wo gestorben? Welchen Beruf? Welche Dokumente? Wann wo gewohnt? Wann wechselte dieses Haus den Besitzer? Wann wurde es abgerissen und neugebaut? Welche Namen trug es? Wo genau stand es auf der Landkarte?

Man kann ebenso gut Aussagen zu Dokumenten machen: In welcher Akte liegt das Dokument? Von wann ist es? Welche Personen sind genannt?

Anders als in Wikipedia wird es bei uns keine Debatte darüber geben, ob eine Person oder ein Dokument einen Wikipedia-Artikel „wert“ ist. Das Kind, das im Jahr 1784 zweijährig verstarb und von dem wir nur wissen, wer die Eltern waren, wie es hieß, wann es geboren wurde – ist mit all diesen Informationen einen Datenbankeintrag wert. Wir können im selben Moment sagen, wie viele Kinder Frauen im 18. Jahrhundert gebaren und wie viele davon nur überlebten. Uns interessieren Familienbilder, private Briefe, Tagebücher von Ur-Ur-Urgroßeltern, sollten sie noch irgendwo auf einem Dachboden liegen.

Wie kann man mitmachen?

Die Datenbank ist offen sichtbar – was drin ist, kann sich jeder Besucher im Internet zeigen lassen. Im Moment ist das noch etwas holprig, da uns eine bessere Benutzeroberfläche fehlt. Man kann bereits jetzt wie in Wikipedia suchen (über das Suchfeld oben rechts).

Link in die FactGrid Datenbank

 
Daneben gibt es für Suchende mit besseren Computerkenntnissen die SPARQL Suche und eine Seite mit ersten Muster-Suchanfragen – eine reguläre Suchmaske ersetzt das nicht; sie muss kommen.

Wer sich von uns einen Account eröffnen lässt, kann sofort sehr viel mehr tun: Mit dem Account lässt sich die Benutzersprache auf Deutsch umstellen und, eingeloggt, kann man nun Änderungen an den Datensätzen vornehmen oder neue Datenblätter zu Personen der eigenen Familie anlegen wie zu Dokumenten aus dem eigenen Familienarchiv. Freuen würden wir uns, wenn sich hier eine Community bilden würde, die beim großen Puzzlespiel zusammenarbeitet und die sich mit unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzt: Wer kann deutsche Handschrift lesen? Wer kann aus der Datenbank mit kleinen Programmierkenntnissen sehr viel mehr herausholen? – denn manches wird hier erst einmal ungewohnt sein: Man möchte bei einer Person einfach hinschreiben, wer der Vater war, doch will die Datenbank erst einmal, dass dieser Vater seine eigenen Q-Nummer hat, mit der sie dann gerne alle Verbindungen herstellen will. Wir helfen bei allen technischen Hürden online weiter.

Um den Start einfacher zu machen, gaben wir für die Mitte des 19. Jahrhunderts alle gut 1300 damals notierten Häuser ein und verteilten auf diese die gut 2400 bekannte Familienväter aus der Wahlliste des Jahres 1848. An diese ersten Datensätzen kann man nun leichter Steine anfügen im großen Puzzlespiel der historischen Stadt-Daten.

Für wen ist das spannend und warum soll man hier mitmachen?

Spannend ist die Datenbank für jeden, der zu Gotha privat oder beruflich forscht. Spannend ist sie aber auch für jeden, der seine Familiengeschichte oder die Geschichte seines Hauses hier zurückverfolgen will. Spannend sollte die Datenbank für Schulprojekte werden, die sich mit der Geschichte der Stadt oder des Territoriums auseinandersetzen – wir geben gerne ganze Recherchethemen, bei denen man in Projektarbeit über Akten und Geschichte und Informatik schlauer wird.

Der “Gotha Zettelkasten” sollte im Verlauf eine Ressource werden, um kollektiv Wissen sammeln und gemeinsam zu sortieren. Er sollte im selben Moment Menschen einander näherbringen, die hier ihr persönliches Wissen zu Gotha und seinen Bewohnern zusammenbringen.

Kontakt:

Via Facebook: Öffentliche Facebook Gruppe “Der Gotha Zettelkasten”

Am Ort und per E-mail:

Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt
— Dr. Olaf Simons
Schloss Friedenstein
99867 Gotha

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